Geschichte

Hundertbüchler Gemeindezeichen

Hat jemand nähere Informationen zum Hundertbüchler Gemeindezeichen?
Wie/wann ist es entstanden und was hat seine Form zu bedeuten? 
Infos bitte an info@hundertbuecheln.de 

Hundertbüchler Geschichte in Stichworten

ca. 1180: Erstbesiedlung der Hundertbüchler Gemarkung durch die “hospites” genannten deutschen Siedler.

ca. 1225: Es wird mit dem Bau einer Kirche im romanischen Stil mit einem Glockenturm an derer Westseite begonnen.

1241: Einfall der Tataren, mit darauf folgender Hungersnot.

1324: Aufstand der Sachsen unter dem Grafen Henning von Petersdorf gegen König Karl. Das sächsische Herr zieht sich in die Nähe von Hundertbücheln zurück und wird bei Reps von den königlichen Truppen geschlagen.

1329: Hundertbücheln wird in einem Dokument das Schenker Stuhls erstmals als “Hundert puch” urkundlich erwähnt. Hundertbücheln gehört mit kurzen Unterbrechungen bis 1876 zum Schenker Stuhl.

1355: Der Name der Gemeinde lautet” Hundertpucheln”, lateinisch “centrum cumuli”, nach den “hundert Büheln” die den Ort umgeben. Es kommt zu einem Streit zwischen Hundertbücheln und Mergeln um das “Widenthal”.

1368: König Ludwig I. von Ungarn, ein Herrscher aus dem französischen Geschlecht der Anjou, schlägt in der zweiten Woche nach Ostern für mehrere Tage sein Lager in der Nähe von Hundertbücheln auf.

1374: Die Bewohner von “Mergenthal” beklagen sich, dass die Leute von Großschenk als auch die von Hundertbücheln ihre Felder verwüstet haben.

1411: Die kleine Glocke wird erstanden. Sie trägt die Inschrift: ”Michael, ora pro nubis ad dominium, 1411” (Michael, bete für uns zu Gott, 1411).

ca. 1425: An die östliche Kirchenmauer wird ein als Bollwerk dienender Turm angebaut, der sogenannte “Pflaumenturm”. In einer Höhe von 20 m wird ein Wehrgang errichtet,  der Turm mit einem Pyramidendach und engen Schießscharten versehen.
Zur gleichen Zeit wird der Glockenturm um ein Stockwerk erhöht und mit einem hölzernen Wehrgang versehen.

1461: Als erster namentlich bekannter Pfarrer aus Hundertbücheln wird Magister Stefan genannt.

1475: Pfarrer Eugidius bewirkt beim Kardinalskollegium in Rom für die Pfarrkirche in Hundertbücheln einen hunderttägigen Ablass. Dies brachte der Gemeinde erheblichen Wohlstand.

1488: Volkszählung im Schenker Stuhl. Hundertbücheln ist mit 54 Wirten, zwei Hirten, drei leer stehenden Häusern, einer Mühle und einer Schule die fünftgrößte Gemeinde im Schenker Stuhl nach Agnetheln, Jakobsdorf, Großschenk und Mergeln.

1495: Die Kirche wird umgebaut und mit gotischen Stilelementen versehen.

1496: Zusätzlich zur kleinen und großen Glocke wird die mittlere Glocke erstanden. Sie trägt die Inschrift: “ O rex gloriae, veni com pace! Egidius sankt Michaeli 1496” ( O König der Herrlichkeit, komm mit deinem Frieden! Egidius dem Heiligen Michael).

1499: Zweite Ablassurkunde.

ca.1500: Der Ausbau der Kirche zur Wehrkirche wird weiter vorangetrieben. Die innere Ringmauer mit drei Wehrtürmen, dem Pfortenturm im Südosten, dem großen rechteckigen ”Speckturm” an der Nordseite und dem zweiten dreigeschossigen Pfortenturm an der Westseite wird erstellt.

1506: Antonius Pauli de Centrum cumulis (Hundertbücheln) studiert an der Universität in Krakau. Drei weitere Studenten aus Hundertbücheln finden wir gegen Ende des 16. Jahrhunderts am Honterusgymnasium in Kronstadt. 

21.12.1507: Unter der Vermittlung des weltgewandten Pfarrers Egidius erhalten die Hundertbüchler vom König Wladislaw eine Urkunde in der ihnen das Schmielenfeld (Poligon) zugesprochen wird.

10.06.1509: Die sächsische Nationaluniversität bestätigt die vom König übertragenen Gebiete den Hundertbüchlern.

1514: Als Egidius Nachfolger tritt der Magister der Freien Künste Kaspar Schin sein Amt in Hundertbücheln an.

1514: Die Neustädter fordern von Ihrer “Muttergemeinde” Hundertbücheln einen Teil des Schmielenfelds. Unter der Vermittlung des Bürgermeisters aus Schäßburg einigt man sich gütlich.

1532: Hundertbücheln hat etwa 400 Einwohner, eine für die damalige Zeit recht stattliche Ortschaft.

1547: Königs- und Stuhlrichter von Schenk bestätigen eine Grenzberichtigung zwischen Hundertbücheln und Schönberg.

1554: Das steinerne Taufbecken wird für die Kirche gestiftet.

1560: Man einigt sich auch mit Mergeln unter der Vermittlung des Königsrichters im Streit um das Widenthal.

1561: Rechtsstreit zwischen dem Pfarrer von Großschenk und dem Pfarrer von Hundertbücheln um die Abgabe des Zehnten vom Schmielenfeld. 

1564: In Hundertbücheln wird die Lehre Luthers eingeführt. Die neue Kirchenordnung  der Deutschen in Siebenbürgen wird eingeführt.

1579: Hundertbücheln erhält vom Fürsten Christoph Báthori das Recht am Sonntag nach dem Martinstag Jahrmarkt abzuhalten. Dies ist für Hundertbücheln von großer Bedeutung, denn damit ist Hundertbücheln einer von 39 siebenbürgischen Jahrmarksorten.

1600: Marodierende Truppen von Michael dem Tapferen (Mihai Viteazul) ziehend mordend und brandschatzend durch Siebenbürgen und verwüsten den Schenker Stuhl.

1654: In Hundertbücheln bricht die Pest aus.

1658: Ein tatarisch-moldauisch-walachisches Heer überfällt Siebenbürgen. Auch Hundertbücheln wird belagert, die Burg hält der Belagerung stand, das bezeugen die noch am alten Gerüst hängenden Glocken. Ein seltener Fall in Siebenbürgen! Die Gemeinde aber brennt nieder. Der auch als 4. Türkenkrieg bekannt gewordene Krieg endete am 10. August 1664 mit dem Frieden von Eisenburg zwischen den Habsburgern und dem Osmanischen Reich. Nach dem Türkenkrieg war die Bevölkerung Hundertbüchelns stark dezimiert und es wandern viele neue Familien nach Hundertbücheln ein.

1704, 1705: Die Hundertbüchler müssen mehrmals vor den aufständische “Kuruzzen” die plündernd durchs Land ziehen in ihre Kirchenburg flüchten.

1709: Die Pest kehrt nach Hundertbücheln zurück. 

1765: Hundertbücheln hat 301 sächsische Einwohner,

1813: In Hundertbücheln gibt es 67 Familien. 

1816 und 1817: Missernten und Heuschreken plagen die Hundertbüchler.

1830: Die Cholera wütet in Hundertbücheln.

1840: Der Altar wird übermalt, dahinter das “Glater” erstellt und am Gestühl werden die Malereien mit “schlechter Leinölfarbe überschmiert”.

ca. 1850: Ein Viertel des Hundertbüchler Bodens ist in den Händen von Rumänen.

1856: Der Zehnte muss nicht mehr an die Kirche abgegeben werden.

1860-er Jahre: Der Turm an der oberen Ringmauer und das alte Pfarrhaus werden abgetragen. Mit diesem Baumaterial und durch Spenden der Gemeinde wird das aktuelle 23 m lange und 10 m breite Pfarrhaus erbaut. Die Kosten für das Pfarrhaus belaufen sich auf ca. 4900 Gulden, dabei sind die freiwilligen Arbeitsstunden der Gemeindemitglieder nicht eingerechnet (zum Vergleich: ein paar schöne Ochsen kosteten ca. 150 Gulden).

1867: Anschluss Siebenbürgens an Ungarn.

1876: Die Eigenverwaltung der Sachsen, die Nationaluniversität wird von den Ungarn aufgelöst, und Siebenbürgen in Stühle und Komitate neu organisiert.

1879: Die Magyarisierung der Schulen setzt ein. Die Ungarn verfolgen das Ziel die deutsche Sprache nach und nach durch Ungarisch zu ersetzten. Im 7. -9. Schuljahr sollte die Unterrichtssprache ausschließlich Ungarisch sein.  

1882: Bischof Georg Daniel Teutsch besucht seine Heimat Hundertbücheln.

1900: Hundertbücheln hat 515 sächsische Einwohner.

1909: Die Schule wird neu renoviert.

1914: Der erste Weltkrieg bricht aus. Als Teil Österreich-Ungarns müssen auch junge Hundertbüchler in diesen Krieg ziehen. Nur wenige kehren zurück.

20. September 1916: Eine Gruppe deutscher Soldaten taucht in Hunderbücheln auf und wird von den Bewohner freundlich empfangen und bewirtet. Auf dem Marktplatz stehend werden sie von einer in der Nähe befindlichen rumänischen Einheit beschossen. Die Verwundeten werden in der Kirche versorgt. Eine 70 mm Granate trift den Pflaumenturm, richtete aber keinen größeren Schaden an.

Auf dem Schmielenfeld kommt es zum Zusammenstoß zwischen der deutschen und der rumänischen Einheit. Dabei konnte sich die deutsche Einheit nur unter großen Verlusten retten. Die gefallenen deutschen Soldaten werden auf dem sächsischen Friedhof beerdigt. Diese Gräber stehen auch heute noch auf dem Hundertbüchler Friedhof.

1918: Nach der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg wurde Siebenbürgen Rumänien zugesprochen

1927: Der “Saal” wir unter großem finanziellem Aufwand der Gemeinde fertiggestellt.

 

Fortsetzung folgt!

 

Quellen: 
“Hundertbücheln-Eine Ortsmonographie”, Hermann Rehner, 1986
“Hundertbücheln”, Niedermaier-Brotschi, Verlag Rolf Brotschi Buch + Kunst, 1999

Eine Ausführliche Geschichte Hundertbüchelns finden Interessenten in den beiden oben genannten Quellen